Bertolt Brecht
Herrn K.s Lieblingstier
Als Herr K. gefragt wurde,
welches Tier er vor allen schätze,
nannte er den Elefanten
und begründete dies so:
Der Elefant vereint List mit Stärke.
Das ist nicht die kümmerliche List,
die ausreicht,
einer Nachstellung zu entgehen
oder ein Essen zu ergattern,
indem man nicht auffällt,
sondern die List, welcher die Stärke
für große Unternehmungen
zur Verfügung steht.
Wo dieses Tier war, führt eine breite Spur.
Dennoch ist es gutmütig, es versteht Spaß.
Es ist ein guter Freund,
wie es ein guter Feind ist.
Sehr groß und schwer,
ist er doch auch sehr schnell.
Sein Rüssel führt seinem enormen Körper
auch die kleinsten Speisen zu,
auch Nüsse.
Seine Ohren sind verstellbar:
Er hört nur, was ihm passt.
Er wird auch sehr alt.
Er ist auch gesellig und dies nicht nur
zu Elefanten.
Überall ist er sowohl beliebt
als auch gefürchtet.
Eine gewisse Komik macht es möglich,
dass er sogar verehrt werden kann.
Er hat eine dicke Haut,
darin zerbrechen die Messer;
aber sein Gemüt ist zart.
Er kann traurig werden.
Er kann zornig werden.
Er tanzt gern. Er stirbt im Dickicht.
Er liebt Kinder
und andere kleine Tiere.
Er ist grau
und fällt nur durch seine Masse auf.
Er ist nicht essbar.
Er kann gut arbeiten.
Er tut etwas für die Kunst:
Er liefert Elfenbein.
Nazim Hikmet
Leben
einzeln und frei
wie ein Baum
und brüderlich
wie ein Wald
ist unsere
Sehnsucht
